Fachrat zum Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten geplant
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler will für den verantwortungsvollen Umgang mit Kunstwerken aus Gewaltkontexten einen Fachrat auf Ebene der Bundesmuseenkonferenz einrichten.
Anstoß dafür sind die anhaltenden Debatten um die Werke Otto Mühls, von denen in den Sammlungen der Bundesmuseen zum Teil große Bestände vorhanden sind.
Kuratorische und wissenschaftliche Aufarbeitung
Otto Mühl wurde in den 1990er Jahren wegen Unzucht und Beischlaf mit Minderjährigen und Vergewaltigung in der Mühl-Kommune verurteilt. Heute ist bekannt, dass es sich hierbei um ein System des Missbrauchs handelte, der auch in direktem Zusammenhang mit der Kunst von Otto Mühl steht. Einen Maßstab in der kuratorischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung hat die Kunsthistorikerin Marie-Therese Hochwartner in Kooperation mit der Gruppe MATHILDA im Rahmen der Ausstellung Vom Kunstwerk zum Artefakt und dem laufenden Forschungsprojekt Wiener Aktionismus revisited am mumok gesetzt.
Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister Babler:
"Wir haben eine zweifache Verantwortung: Die Verantwortung gegenüber Betroffenen von Gewalt zur Aufarbeitung und zur Kontextualisierung. Das ist eine Frage des Respekts gegenüber den Menschen. Und wir haben eine Verantwortung gegenüber der Kunst, hier behutsam, mit offenem Blick neue Wege zu gehen. Wegschauen und Verdrängen, indem wir problematische Werke im Lager verstauben lassen, ist keine Auseinandersetzung, sondern ihr Gegenteil."
Opferperspektive im Vordergrund
Die Frage nach dem Umgang mit Kunst in Gewaltkontexten ist nicht auf den Fall Otto Mühl beschränkt. Um in solchen Fällen einen zeitgemäßen und verantwortungsvollen Umgang sicherzustellen, plant Vizekanzler und Kunst- und Kulturminister Babler einen Rat. Dieser soll solche Fälle mit juristischer, kunsthistorischer, sowie psychosozialer Expertise überprüfen, bewerten und Empfehlungen zum Umgang mit entsprechenden Werken im Wirkungsbereich der Bundesmuseen erstellen. Die Opferperspektive soll dabei immer im Vordergrund stehen.
Der Anspruch des Kulturministers für die österreichische Bundessammlung ist es, Forschung und Betroffenenwissen gleichwertig zu behandeln. Für einen Erkenntnisgewinn ist transparente, interdisziplinäre Aufarbeitung und Einbindung der Betroffenen notwendig. Solche Strukturen kann keine Institution für sich allein aufbauen.
Leitlinien sollen über die Bundessammlung hinaus eine Vorbildwirkung entfalten. Ziel des Kulturministers ist eine strukturelle, überinstitutionelle Forschungsinfrastruktur zur Aufarbeitung von Täterkunst zu etablieren.