Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat und durch Übersetzungen dokumentiert ist. Das Werk muss auch in deutschsprachiger Übersetzung vorliegen.
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird vom Bundesministerium für Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) jährlich verliehen. Der Preis ist mit € 25.000 dotiert.
Preisträgerin 2026: Lídia Jorge
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur 2026 wird an die portugiesische Autorin Lídia Jorge verliehen. Die Preisverleihung durch Vizekanzler und Bundesminister für Kunst und Kultur Andreas Babler findet am 27. Juli 2026 im Rahmen eines Festaktes während der Salzburger Festspiele statt.
Lídia Jorge, geboren 1946 in Boliqueime im Süden Portugals, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe einige Jahre in Angola und Mosambik.
Sie lebt heute in Lissabon. Mit ihren ersten beiden Romanen gehörte sie zur Avantgarde der zeitgenössischen portugiesischen Literatur und hat seitdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen für ihr Werk erhalten. 2021 nahm Lídia Jorge eine Professur an der Universität Genf an, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.
Jury:
- Cristina Beretta
- Thomas Keul
- Thomas Macho
- Marlene Streeruwitz
- Andrea Zederbauer
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur 2026 wird an die portugiesische Autorin Lídia Jorge verliehen. Lídia Jorge zählt seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Stimmen der portugiesischen Literatur. In den bald fünfzig Jahren ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat sie nicht nur dreizehn Romane verfasst, sondern auch einige Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke, Gedichte und Essays, die ins Spanische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt wurden. Die Kritik am europäischen Kolonialismus gehört zu den Grundthemen der Literatur von Lídia Jorge, ebenso wie die Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit und Armut, mit der Diskriminierung von Frauen, mit Rassismus oder mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974.
Als „Zeugin der Zeiten und der Räume“ widmet sie sich häufig dem Bericht, der Wiedergabe des Gesprochenen und Erzählten, dem Bekenntnis, mitunter auch in einer Art von Polyphonie, mit kurzen Sätzen, Zitaten von Gedichten und Wörtern aus dem Spanischen, Französischen, Englischen oder Italienischen. Die Autorin warnt allerdings davor, ihre Romane als Parabeln zu lesen. Vielmehr führt sie die Leser:innen mit ihren Texten „in jene Bereiche der tiefen Verunsicherung, wo nichts erhaben oder symbolisch ist, aber alles von Bedeutung, wie ein Seufzer, eine Erkältung oder ein Bad im Meer.“
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Die Stunde der Nelken, Secession 2026. Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
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Erbarmen, Secession 2024. Aus dem Portugiesischen von Steven Uhly
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Milene, Suhrkamp 2005. Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner
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Die Küste des Raunens, Suhrkamp 1995. Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner, verfilmt 2004 von Margarida Cardoso (dt. Titel: Es war einmal in Afrika).
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Der Tag der Wunder, Suhrkamp 1992. Aus dem Portugiesischen von Maralde Meyer-Minnemann
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Nachricht von der anderen Seite der Straße, Suhrkamp 1992. Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner
Bisherige Preisträger:innen
- 2025 Serhij Zhadan (Ukraine)
- 2024 Joanna Bator (Polen)
- 2023 Marie NDiaye (Frankreich)
- 2022 Ali Smith (Schottland)
- 2021 László Krasznahorkai (Ungarn)
- 2020 Drago Jančar (Slowenien)
- 2019 Michel Houellebecq (Frankreich)
- 2018 Zadie Smith (Großbritannien)
- 2017 Karl Ove Knausgård (Norwegen)
- 2016 Andrzej Stasiuk (Polen)
- 2015 Mircea Cărtărescu (Rumänien)
- 2014 Ljudmila Ulitzkaja (Russland)
- 2013 John Banville (Irland)
- 2012 Patrick Modiano (Frankreich)
- 2011 Javier Marías (Spanien)
- 2010 Paul Nizon (Schweiz)
- 2009 Per Olov Enquist (Schweden)
- 2008 Agota Kristof (Schweiz)
- 2007 A. L. Kennedy (Großbritannien)
- 2006 Jorge Semprún (Spanien)
- 2005 Claudio Magris (Italien)
- 2004 Julian Barnes (Großbritannien)
- 2003 Cees Nooteboom (Niederlande)
- 2002 Christoph Hein (Deutschland)
- 2001 Umberto Eco (Italien)
- 2000 António Lobo Antunes (Portugal)
- 1999 Péter Esterházy (Ungarn)
- 1998 Dubravka Ugrešic (Kroatien)
- 1997 Antonio Tabucchi (Italien)
- 1996 Jürg Laederach (Schweiz)
- 1995 Aleksandar Tišma (Jugoslawien)
- 1994 Inger Christensen (Dänemark)
- 1993 Tschynggys Aitmatov (Kirgisien)
- 1992 Salman Rushdie (Großbritannien)
- 1991 Péter Nádas (Ungarn)
- 1990 Helmut Heißenbüttel (Deutschland)
- 1989 Marguerite Duras (Frankreich)
- 1988 Andrzej Szczypiorski (Polen)
- 1987 Milan Kundera (Tschechien)
- 1986 Giorgio Manganelli (Italien)
- 1985 Stanisław Lem (Polen)
- 1984 Christa Wolf (DDR)
- 1983 Friedrich Dürrenmatt (Schweiz)
- 1982 Tadeusz Rózewicz (Polen)
- 1981 Doris Lessing (Großbritannien)
- 1980 Sarah Kirsch (BRD)
- 1979 Fulvio Tomizza (Italien)
- 1978 Simone de Beauvoir (Frankreich)
- 1977 Pavel Kohout (Tschechoslowakei)
- 1976 Italo Calvino (Italien)
- 1975 Miroslav Krleža (Jugoslawien)
- 1974 Sándor Weöres (Ungarn)
- 1973 Harold Pinter (Großbritannien)
- 1972 Sławomir Mrożek (Polen)
- 1971 Peter Huchel (BRD)
- 1970 Eugène Ionesco (Frankreich)
- 1969 keine Vergabe
- 1968 Václav Havel (Tschechoslowakei)
- 1967 Vasko Popa (Jugoslawien)
- 1966 Wystan Hugh Auden (Großbritannien)
- 1965 Zbigniew Herbert (Polen)