In Kanada aufgetauchter Schmuck aus Schatzkammer: Florentiner-Kommission setzt Arbeit fort
Zu den 2025 in Kanada aufgetauchten Schmuckstücken, die sich ursprünglich in der Schatzkammer in der Hofburg befunden haben, liegt ein erster Bericht vor. Mit der Vorlage der abschließenden Ergebnisse und einer Empfehlung der Fachkommission ist 2027 zu rechnen.
Im November 2025 ist öffentlich bekannt geworden, dass sich in Kanada jene Gegenstände befinden sollen, die 1918 auf Anordnung des vormaligen Kaisers Karl aus der Schatzkammer in der Hofburg entnommen und in die Schweiz verbracht worden sind. Darunter auch der sogenannte "Florentiner Diamant“.
Vizekanzler Andreas Babler hat nach dem Bekanntwerden umgehend eine Prüfung der Ansprüche der Republik Österreich und der dafür relevanten rechts-/historischen Fragen eine hochkarätige Fachkommission beauftragt, um zu klären, inwieweit die Republik Österreich Anspruch auf die in Kanada aufgetauchten Schmuckgegenstände hat und ob dieser Anspruch durchsetzbar ist.
Vizekanzler und Kulturminister Andeas Babler:
"Die Kommission hat mich über den Stand ihrer Tätigkeit informiert. Mir ist es wichtig, meine Entscheidung auf einer sorgfältig erarbeiteten und wissenschaftlich fundierten Grundlage treffen zu können. Deswegen soll die Kommission ihre Arbeit fortsetzen, um die historischen Zusammenhänge umfassend zu erforschen und die damit verbundenen Fragen aus geschichtswissenschaftlicher bzw. rechtshistorischer sowie aus juristischer Perspektive zu untersuchen."
Tausende Seiten historisches Material gesichtet
Die Mitglieder der Expert:innenkommission bestehend aus Historiker:innen, Rechtshistoriker:innen und Jurist:innen, haben bislang Tausende Seiten an Unterlagen aus Archiven im In- und Ausland gesichtet.
Der Leiter der Kommission Wolfgang Peschorn erklärt die umfassende Aufgabe der Kommission:
" Unser ursprüngliches Ziel war es, unsere Arbeit mit September 2026 abzuschließen, gleichwohl uns bewusst war, dass diese zeitliche Vorgabe ambitioniert sein würde. Immerhin erstreckt sich der Untersuchungszeitraum über mehrere Jahrhunderte.
Neben den mehr als hundert Jahren, die seit der auf Anordnung Kaiser Karls erfolgten Entnahme und Verbringung der Schmuckstücke ins Ausland vergangen sind, und den politischen und rechtlichen Entwicklungen im Zuge der Gründung der Republik, insbesondere dem Habsburgergesetz und dem Vertrag von Saint-Germain, hat sich die Untersuchung auch auf die weit zurückreichende Provenienzgeschichte der einzelnen Stücke zu erstrecken.
Umfang und Vielfalt des Materials, mit dem wir bei der Untersuchung dieses weitreichenden Themenkomplexes konfrontiert sind, sind außergewöhnlich. Die Kommission muss in unterschiedlichen Sprachen, zahlreiche historische Unterlagen aus einer Vielzahl von Archiven sichten: Verwaltungs- und Gerichtsakte, Korrespondenzen, juristische Stellungnahmen sowie die für die Provenienzforschung besonders relevanten Inventare und Verzeichnisse.
Die sorgfältige Auswertung des Materials nach wissenschaftlichen Standards ist entsprechend aufwändig. Unsere Erkenntnisse sind entsprechend umfangreich und differenziert.
Letztlich müssen wir auch die Lücken in der Geschichte der Gegenstände seit ihrer Entnahme aus der Schatzkammer 1918 bis heute rekonstruieren, weil Karl Habsburg-Lothringen keine nachvollziehbaren Informationen dazu bereitstellt.
Ich kann heute bereits festhalten, dass der Endbericht, den wir dem Bundesminister vorlegen werden, ein entsprechendes Volumen aufweisen wird.“
Zum Thema
- Hidden Treasure: A Century of Mystery | Musée national des beaux-arts du Québec - MNBAQ
Derzeit werden die Schmückstücke in Kanada im Musée national des beaux-arts du Québec temporär ausgestellt. - Habsburger-Juwelen: Vizekanzler Babler beruft Florentiner-Kommission ein (5. Dezember 2025)