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Unterstützung für ukrainische Künstler:innen in Österreich "Networks of Cooperation: Sustainable Structures for Ukrainian Cultural Actors in Europe and Beyond": Grazer Erklärung fordert langfristige europäisch-ukrainische Kulturpartnerschaft

Pressefoto der Diskussionsrunde Networks of Cooperation
Foto: Thomas Raggam

Wie kann aus der seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine geleisteten Nothilfe eine dauerhafte europäisch-ukrainische Kulturpartnerschaft entstehen? Mit dieser Frage befassten sich am 15. und 16. Oktober 2026 im Kunsthaus Graz mehr als 130 ukrainische und europäische Kulturschaffende sowie Vertreter:innen von Kulturinstitutionen, Netzwerken, Förderstellen und Politik, Forschung und Zivilgesellschaft. Die aus der Konferenz hervorgegangene Grazer Erklärung fordert flexible Förderstrukturen, gleichberechtigten Zugang zu europäischen Programmen und eine dauerhafte Vernetzung ukrainischer und europäischer Kulturakteur:innen. Die große Resonanz und die einstimmige Verabschiedung der Grazer Erklärung setzen ein deutliches Zeichen für langfristige Zusammenarbeit und unmittelbare Solidarität.

Die Konferenz "Networks of Cooperation" wurde von Office Ukraine (Wien/tranzit.at und Graz/rotor), dem österreichischen Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport sowie dem Creative Europe Desk Austria, in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz, dem Creative Europe Desk Ukraine und dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen veranstaltet.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und Podiumsdiskussionen sind in die Grazer Erklärung eingeflossen. Ihr Ausgangspunkt: Die europäische Solidarität der vergangenen Jahre hat wichtige Soforthilfe ermöglicht, nun braucht es den Übergang zu langfristigen institutionellen Beziehungen und einen nachhaltigen Zugang ukrainischer Kulturschaffender zu europäischen Strukturen. Kultur wird dabei ausdrücklich auch als wichtiger Faktor für die europäische Integration der Ukraine verstanden.

Die Erklärung erinnert daran, dass die Ukraine bereits seit 2015 am EU-Programm "Creative Europe" teilnimmt. Ukrainische Kulturakteur:innen seien daher als erfahrene und gleichberechtigte Partner:innen der europäischen Kulturlandschaft zu verstehen. Die bisherige europäische Unterstützung soll fortgeführt und verstärkt und stärker an den tatsächlichen Bedingungen kultureller Arbeit in und außerhalb der Ukraine ausgerichtet werden.

Flexible Förderung statt permanenter Ausnahmezustand

Zu den zentralen Forderungen gehören mehrjährige und anpassungsfähige Fördermodelle, die auch auf Veränderungen der Sicherheitslage reagieren können. Infrastruktur- und Personalkosten, faire Bezahlung und lokale Kulturproduktion sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie die Möglichkeit, Budgets und Zeitpläne unter außergewöhnlichen Bedingungen flexibel anzupassen.

Gleichzeitig fordert die Grazer Erklärung einen gerechteren Zugang zu europäischen Förderprogrammen. Ukrainische Expertise müsse zudem bereits bei der Konzeption und Bewertung europäischer und nationaler Kulturförderprogramme berücksichtigt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der dauerhaften Vernetzung bestehender Strukturen. Kooperationen zwischen Institutionen in der Ukraine, ukrainischen Initiativen im europäischen Ausland, Städten und Gemeinden, Universitäten sowie Kultur- und zivilgesellschaftlichen Netzwerken sollen nicht allein projektbezogen bleiben, sondern auf gemeinsamer Verantwortung, Ressourcen und Programmentwicklung beruhen. Dabei geht es ausdrücklich auch darum, bestehende Netzwerke innerhalb der Ukraine stärker miteinander zu verbinden.

Gruppenfoto von Networks of Cooperation
Foto: Thomas Raggam

Austausch muss in beide Richtungen funktionieren

Auch künstlerische Residencys, Mobilitätsprogramme und Stipendien bleiben wichtig, sollen jedoch durch hybride, lokale, kurzfristige und digitale Formen der Zusammenarbeit ergänzt werden. Nicht jede und jeder kann oder will den eigenen Arbeits- und Lebensort verlassen. Mobilität dürfe deshalb nicht zur Voraussetzung für kulturelle Teilhabe werden.

Zugleich betont die Erklärung den wechselseitigen Charakter des Capacity Buildings: Nicht nur ukrainische Akteur:innen können von europäischen Strukturen profitieren. Auch europäische Partner:innen können von den ukrainischen Erfahrungen mit kultureller Resilienz, Selbstorganisation, Bürgerbeteiligung und institutionellem Aufbau profitieren.

Die Kraft persönlicher Begegnungen

Die Gespräche in Graz machten darüber hinaus deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen für tragfähige transnationale Netzwerke sind. Zugleich braucht es geschützte Räume, in denen Spannungen und schwierige Fragen offen angesprochen werden können. Dazu gehören auch die zunehmenden Spannungsverhältnisse zwischen Kulturschaffenden, die in der Ukraine geblieben sind oder bleiben mussten, und jenen, die das Land verlassen haben. Fragen der psychischen Gesundheit, menschenwürdiger Arbeitsbedingungen, der Sichtbarkeit ukrainischer Kunst und der Unterstützung jener Künstler:innen, die weiterhin in der Ukraine arbeiten, spielten in den Diskussionen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Pressefoto einer Gesprächsrunde bei Networks of Cooperation
Foto: Thomas Raggam

Diskutiert wurden zudem Möglichkeiten, europäische Programme stärker auf die spezifischen Bedürfnisse ukrainischer Kulturakteur:innen auszurichten – etwa durch niedrigschwellige Fördermodelle für kleinere und ländliche Organisationen, erleichterten Zugang zu europäischen Netzwerken, Unterstützung bei Projektentwicklung und Reisekosten, gezieltes Matchmaking sowie neue Formen von Folge- und Kooperationsprojekten.

Verpflichtungen für die Jahre 2027 bis 2030

Die Grazer Erklärung richtet schließlich einen konkreten Aufruf an europäische und ukrainische Behörden, Regierungen, Städte und Regionen, Kulturinstitutionen, Künstler:innen, Universitäten, Stiftungen, Berufsverbände und zivilgesellschaftliche Netzwerke. Für die Jahre 2027 bis 2030 sollen aus den formulierten Grundsätzen konkrete Programme und Kooperationsvereinbarungen entstehen.

Im Mittelpunkt stehen längere Förderzeiträume, fairer Zugang auch für Einzelpersonen und kleinere Organisationen, nachhaltige europäische Partnerschaften, die Unterstützung kultureller Arbeit innerhalb der Ukraine und unter den Bedingungen von Vertreibung sowie gegenseitiger Austausch und Kapazitätsaufbau. Die Fortschritte sollen gemeinsam überprüft werden können.

Die Konferenz und die Grazer Erklärung verstehen sich damit nicht als Abschluss, sondern als Teil eines längerfristigen Prozesses. Der Dialog zwischen ukrainischen und europäischen Kulturakteur:innen soll fortgesetzt werden. Ziel ist ein europäischer Kulturraum, in dem ukrainische Künstler:innen und Institutionen nicht lediglich Empfänger:innen von Unterstützung, sondern gleichberechtigte Partner:innen und Mitgestalter:innen sind.

Hinweis

Ein ausführlicher Bericht mit den Ergebnissen der Konferenz wird im Rahmen der Buch Wien (25.-29. November 2026) veröffentlicht.

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