Wir verwenden anonymisierte Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Es besteht die Möglichkeit, dass Video Plattformen, auf der eingebettete Videos liegen, Cookies schreiben. Werden diese Cookies bestätigt, können solche Videos abgespielt werden. Besuchen Sie unsere Cookie-Einstellungen, um diesen zuzustimmen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Wir verwenden anonymisierte Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Es besteht die Möglichkeit, dass Video Plattformen, auf der eingebettete Videos liegen, Cookies schreiben. Werden diese Cookies bestätigt, können solche Videos abgespielt werden. Besuchen Sie unsere Cookie-Einstellungen, um diesen zuzustimmen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Wir verwenden anonymisierte Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Es besteht die Möglichkeit, dass Video Plattformen, auf der eingebettete Videos liegen, Cookies schreiben. Werden diese Cookies bestätigt, können solche Videos abgespielt werden. Besuchen Sie unsere Cookie-Einstellungen, um diesen zuzustimmen. Weitere Informationen bietet unsere Datenschutzerklärung.

Österreichischer Kunstpreis 2026

Die Preisträger:innen des Österreichischen Kunstpreises 2026

Milica Tomić befasst sich in ihrer forschungsbasierten künstlerischen Praxis mit den Zusammenhängen von Gewalt, Erinnerungspolitik und gesellschaftlicher Verantwortung, die sie in unterschiedlichen Medien und kollaborativen Prozessen eindrucksvoll sichtbar macht. Ihre Arbeiten, die Fotografie, Video, Installation und Performance mit gesellschafts- und bildungspolitischem Engagement verbinden, gewinnen gerade angesichts gegenwärtiger Kriegs- und Konflikterfahrungen besondere Relevanz und eröffnen neue Perspektiven im kulturellen und gesellschaftlichen Diskurs.

Dabei schafft sie bedeutende Bezugspunkte für die (ex-)jugoslawische Community und prägt durch ihr langjähriges Engagement künstlerische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen weit über ihr eigenes Werk hinaus. Viele ihrer Arbeiten entstehen in Zusammenarbeit mit Grupa Spomenik (Monument Group). Ihr Werk verbindet ästhetische Kraft mit kritischer Reflexion und zählt zu den bedeutendsten künstlerischen Positionen der Gegenwart.

Asli Kişlal zählt seit vielen Jahren zu den prägendsten Persönlichkeiten der österreichischen Theaterlandschaft. Als Regisseurin, Schauspielerin, Dramaturgin und Intendantin setzt sie national wie international künstlerische Maßstäbe und verbindet in ihren Arbeiten ästhetische Präzision mit gesellschaftlicher Relevanz. Sie schafft damit Räume für Perspektiven und Stimmen, die auf österreichischen Bühnen lange unterrepräsentiert waren.

Der Künstlerin geht es dabei nicht allein um Repräsentation, sondern um eine grundlegende Neudefinition von Theaterpraxis: kollektiv, zugänglich, vielstimmig und eng mit gesellschaftlichen Realitäten verbunden. Besonders hervorzuheben ist ihre Fähigkeit, künstlerische Qualität mit struktureller Veränderung zu verbinden. Kişlal spricht nicht nur über Diversität, Teilhabe und Ausschlüsse innerhalb des Kulturbetriebs – sie entwickelt konkrete Modelle, wie Theater anders gedacht und produziert werden kann. Mit dem von ihr gegründeten Performance- und Theaterlabor diverCITYLAB hat sie wichtige Impulse für eine vielfältige, zugängliche und zeitgemäße Theaterpraxis gesetzt und neue Generationen von Künstlerinnen und Künstlern in einem postmigrantischen Österreich nachhaltig gefördert.

Ayub Kurdwin bewegt sich mühelos zwischen Film, Performance, Theater und bildender Kunst, ohne diese Sparten als getrennte Welten zu begreifen. Das Medium ist für sie nie Ausgangspunkt, sondern ergibt sich aus der jeweiligen künstlerischen Frage. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen Identität, Zugehörigkeit, Machtverhältnisse und soziale Wirklichkeit.

Bereits in ihrem Dokumentarfilmdebüt Paradise! Paradise! (2016) übersetzt sie unterschiedliche kulturelle Erfahrungen in eine universelle Bildsprache; In Mond (2024) erzählt sie von einer ehemaligen Kampfsportlerin, die drei Schwestern trainiert, und lässt dabei das scheinbar Private zunehmend ins Politische kippen. Mit Weiße Witwe (2025) überträgt sie ihre unverwechselbare Bild- und Erzählwelt schließlich auf die Bühne der Berliner Volksbühne und verhandelt erneut Selbstermächtigung, Klischees und die Frage, wer wen betrachtet und definiert. Ayub Kurdwin interessiert sich weniger für eindeutige Antworten als für jene Brüche und Widersprüche, die vermeintliche Gewissheiten ins Wanken bringen. Damit hinterfragt sie nicht nur, was erzählt wird, sondern auch, wie und von wem, und schafft eine eigenständige künstlerische Sprache, die Film, Theater und zeitgenössische Kunst gleichermaßen erweitert.

Ursprünglich aus Brünn stammend und in Österreich aufgewachsen, bewegt sich der Autor Michael Stavarič wie selbstverständlich zwischen Sprachen und kulturellen Räumen. Als Übersetzer aus dem Tschechischen findet diese Vielsprachigkeit auch Eingang in sein literarisches Werk. Mit lyrischen Sprachverdrehungen, eigenwilligen Idiomen und großer Lust am sprachlichen Spiel setzt er sein kurioses Figureninventar mit surrealem Witz in Szene. Sachinformationen und kuriose Nebensächlichkeiten verbindet er spielerisch mit verschiedenen Textsorten und verknüpft dabei kulturwissenschaftliche und ökologische Themen mit einer ironischen Weltsicht. Kinderliteratur versteht er dabei keineswegs als vereinfachte Form von Literatur, sondern als eigenständige Kunstform, in der Sprache, Bilder und unterschiedliche Erzählweisen kreativ und präzise zusammenspielen.

Die Gründerin von SOHO in Ottakring, Ula Schneider, hatte zunächst die Idee, den Leerstand rund um den Brunnenmarkt künstlerisch zu nutzen. Über 14 Jahre hinweg zeigte SOHO in Ottakring, wie Kunst und Kultur neue Impulse in ein Stadtviertel bringen und dessen Entwicklung mitgestalten können.

2013 verlagerte SOHO seinen Schwerpunkt in das Gebiet rund um den Sandleitenhof, einem der großen Gemeindebauten des Roten Wien mit rund 4.500 Bewohner:innen. Die besondere soziale Struktur des Viertels eröffnete neue Möglichkeiten, Kunst und Kultur gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. 2021 führte diese Entwicklung zur Eröffnung der SOHO-Studios im ehemaligen Kino und Museum des Sandleitenhofs. Entstanden ist ein offener Kulturort, der Projekte aus der Nachbarschaft ebenso ermöglicht wie kuratierte Veranstaltungen und größere Ausstellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen, darunter Klimawandel und Umweltzerstörung. SOHO verbindet damit künstlerischen Anspruch mit sozialer und politischer Verantwortung und schafft Räume, in denen unterschiedliche Menschen und Perspektiven zusammenkommen.

Heidi Harsieber war 1970 die jüngste Berufsfotografin Österreichs und hat sich als Künstlerin und Frau einen fotografischen Raum erkämpft, der ihr lange bevor die Fotografie als Studienfach Einzug an den Kunstuniversitäten hielt, keineswegs selbstverständlich offenstand. Im Zentrum von Heidi Harsiebers künstlerischem Werk befindet sich der menschliche, meistens weibliche Körper. Gender und Begehren, Alter, Schmerz und Tod sind Leitmotive, die sie poetisch aber auch mit großer Klarheit ins Bild setzt. Harsiebers Selbstporträts wirken verletzlich und kraftvoll zugleich.

Zu Recht zählt sie deshalb zu den wichtigsten österreichischen Vertreterinnen der feministischen Avantgarde gemäß ihrem ironischen Motto „Immer schön brav“ – dem Titel ihres ersten Fotobuches, das 2009 in der Fotohof Edition erschien.

Eva Schmidt zählt zu jenen österreichischen Autorinnen, die das Besondere im scheinbar Alltäglichen sichtbar machen. Seit ihrem Debüt mit dem Erzählband Ein Vergleich mit dem Leben (1985) zeichnet sie mit großer Beobachtungsgabe Menschen und Lebensgeschichten, die nicht geradlinig und makellos sind. Ihre Sprache bleibt dabei nah an den Figuren, ohne sich ihnen aufzudrängen. "Mein Leben ist auch ein Leben", heißt es am Ende des zuletzt erschienenen Romans Neben Fremden (2025). Man mag es eine Faszination für das Banale nennen, doch viel mehr ist es ein Hinwenden zu unperfekten Lebensgeschichten, zu solchen, die Bruchstellen aufweisen. Auch ihre eigene literarische Biografie kennt Brüche und lange Schaffenspausen, auf die mit Zwischen die Zeit (1997) und Ein langes Jahr (2016) eindrucksvolle Rückkehrmomente folgten.

Elisabeth Bakambamba Tambwe verbindet in ihrer künstlerischen Arbeit Performance, Film und Sound mit installativen, skulpturalen und diskursiven Ansätzen und eröffnet damit neue Perspektiven auf Identität, Zugehörigkeit und das Verhältnis zum anderen. Der medienkünstlerische Beitrag ihrer Praxis liegt nicht allein in der Verbindung unterschiedlicher Medien, sondern in der Reflexion von Medialität selbst.

Das Erkenntnispotenzial ebenso wie die Provokationskraft ihrer Arbeiten liegt in der fortwährenden Übersetzung von Themen und Fragestellungen in unterschiedliche mediale Konstellationen. Jede Transposition verändert ästhetische, soziale und politische Perspektiven auf unser Verständnis von Selbst und Fremd sowie auf die Dynamiken von Ablehnung und Begehren. Mit Salon Souterrain und dem Club Château Rouge entwickelt sie darüber hinaus seit vielen Jahren experimentelle Gefüge, in denen künstlerische und wissenschaftliche Positionen aufeinandertreffen und gemeinsame Formen der Wissensproduktion entstehen.

Michael Jarrells Musik zeichnet sich durch außergewöhnliche handwerkliche Präzision, Virtuosität im Umgang mit Klang und Textur, ein feines Gespür für musikalische Dramaturgie sowie einen unverwechselbaren Umgang mit musikalischer Zeit aus. Von ebenso nachhaltiger Bedeutung ist seine mehr als drei Jahrzehnte währende Lehrtätigkeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Dort prägte er Generationen von Komponist:innen, die unter seiner Anleitung nicht nur das kompositorische Handwerk erlernten, sondern auch eine eigenständige künstlerische Handschrift entwickelten. Seine ehemaligen Studierenden wirken heute weltweit und prägen als anerkannte Künstler:innenpersönlichkeiten das Musikleben unserer Zeit. Darüber hinaus ist Michael Jarrell als Juror zahlreicher Kompositionswettbewerbe tätig und unterrichtet regelmäßig bei internationalen Sommerakademien und Meisterkursen.

Im kommenden Jahr feiert feld72 sein 25-jähriges Bestehen. Das Kollektiv hat Architektur stets über seine klassischen Grenzen hinausgedacht und verbindet Entwerfen mit Forschung, Lehre, Kunst und Publikation. Im Zentrum steht dabei das Sichtbarmachen räumlicher Potenziale, die Gemeinschaft und Solidarität fördern.

feld72 schaffen Räume, in denen das Physische und das Sinnliche eine organisatorische Tiefe entfalten und auf diese Weise unvermutete gesellschaftliche und ökologische Mehrwerte sowie inspirierende Figuren des Zusammenlebens in die Welt bringen. Die Suche nach dem Ort ist bei feld72 immer auch das Entdecken seiner geografischen Dimension.

Der diskursive Impuls wird bei feld72 stets in konkrete räumliche Praxis übersetzt: von der Gestaltung öffentlicher Sehnsuchtsorte du findest stadt (2002) über die Wiederbelebung eines süditalienischen Dorfes Million Donkey Hotel (2005) bis zu Interventionen im öffentlichen Raum Museum for Public Space (2015 und 2017) und nicht zuletzt ihrem aktuellen Labor für ein besseres Leben. Hier liegt der Fokus auf leistbarem Wohnen, sozialer Nachhaltigkeit und klimagerechtem Bauen.

Zum Thema